Vergessen Sie die Frauen nicht – Wie Sie speziell den geflüchteten Frauen helfen können

Gerade bestätigte mir eine junge Flüchtlingshelferin aus Göttingen, was ich schon öfter gehört habe: dass an allen Angeboten, die die ehrenamtlichen Helfer_innen für die Geflüchteten auf die Beine stellen, nur wenige, oft gar keine weiblichen Flüchtlinge teilnehmen, selbst wenn viele von ihnen da sind. Was können Sie für diese Frauen tun?

Derzeit kommen mehr männliche als weibliche Flüchtlinge nach Deutschland – sie finden Aufnahme in Fußballvereinen, sie bekommen Deutschunterricht, für sie werden Praktika und Arbeitsstellen gesucht usw. Das Angebot für die weiblichen Flüchtlinge ist sehr viel geringer – und das hat nicht nur mit ihrer geringeren Anzahl zu tun.

Es gibt vielfältige Gründe, warum die geflüchteten Frauen für die Helfer_innen oft sehr viel weniger sichtbar sind. Zum einen kommen viele Frauen aus Ländern, in denen sie nicht gleichberechtigt sind. Nicht alle durften erwerbstätig sein, viele sind traditionell ans Haus gebunden und ausschließlich für das Wohl von Mann und Kindern zuständig. Das ändert sich durch die Flucht nicht.

Manche kommen aus Kulturen, in denen eine Frau, die sich alleine unter fremden Männern zeigt, damit die Ehre ihrer gesamten Familie beschmutzt. Wieder andere haben auf der Flucht entsetzliche Gewalt durch Männer erlebt und sind noch nicht in der Lage, sich in einem Raum mit Männern aufzuhalten. Manche mussten auf der Flucht ihre Kinder beerdigen und können das Kinderglück der anderen Flüchtlinge noch nicht ertragen. Und wieder andere sind z. B. vor oder wegen Zwangsheirat, Gewalt, Vergewaltigungen oder Genitalbeschneidung geflohen.

Hinzu kommt, dass an den Frauen auch hier der Großteil der Arbeit hängenbleibt. Wenn sie z. B. in Großraumzelten untergebracht werden, dann werden Frauen und Kinder in anderen Zelten untergebracht als die Männer. Was sich aus Sicherheitsgründen gut anhört, bedeutet, dass die Frauen alleine zuständig sind, wenn ein Kind Alpträume hat, wenn es nachts zur weit entfernten Toilette muss, wenn es Hunger hat, wenn die Wäsche gewaschen werden muss usw.

Wo selbst gekocht werden kann, machen das meist die Frauen. In manchen Sammelunterkünften weigern sich manche Männer, ihren eigenen Schmutz wegzumachen – auch das bleibt dann an den Frauen hängen. Alleine geflohene Frauen sind weder auf der Flucht, noch in Gemeinschaftsunterkünften sicher. Sie kommen nie zur Ruhe, und sie können – obwohl sie hier (theoretisch) in Sicherheit sind – nie entspannen.

Und so erscheinen viele Frauen gar nicht erst zu den ehrenamtlichen Angeboten für Flüchtlinge – nicht, weil sie nicht interessiert wären, sondern weil sie aus unterschiedlichsten Gründen nicht können. Sie gehen nicht mit zum kostenlosen Fußballspiel oder ins Museum, sie gehen nicht mit zum Fußball- oder Lauftraining, sie gehen nicht ins Internetcafé oder zum Deutschkurs.

Damit aber die Frauen nicht die größten Leidtragenden der Flucht werden, sollten Kommunen und Ehrenamtliche unbedingt dafür sorgen, dass es ganz spezielle Programme für Frauen gibt: einige solcher Angebote gibt es bereits (z. B. Yogakurse oder berufliche Integrationshilfe), doch da geht bestimmt noch wesentlich mehr.

Informieren Sie die Frauen immer auch über das Hilfetelefon im Falle von Gewalterfahrung (Tel.Nr.: 08000 116 016). Dort können auch Dolmetscher_innen zugeschaltet werden.

Was Sie außerdem anbieten können:

  • weibliche Dolmetscherinnen für die Frauen
  • weibliche Patinnen für die Frauen
  • Frauentage in Ihrem Café für Flüchtlinge und im Internetcafé
  • Öffnungszeiten nur für Frauen in Kleiderkammer und Laden
  • Deutsch- und Alphabetisierungskurse nur für Frauen
  • Radfahren beibringen
  • Computerkurse nur für Frauen
  • Sportkurse nur für Frauen
  • Freizeitangebote nur für Frauen, von Nähstunden über Spaziergänge bis hin zu Kulturbesuchen
  • reine Frauensprechstunden bei der Hilfe mit Behördenproblemen
  • Ärztinnen bei Gesundheitsproblemen ausfindig machen, nicht Ärzte
  • spezielle Berufsberatung für Frauen
  • Frauen bei der Anerkennung ihrer Zeugnisse helfen
  • Frauen bei der Suche nach Praktika und Arbeitsplätzen unterstützen
  • Kinderbetreuung für all diese Zeiten, in denen die geflüchteten Frauen nur mal was für sich machen können
  • Babypartys als Unterstützung für junge Mütter und zum Knüpfen von Kontakten
  • besondere Kurse und Aktivitäten für die Frauen, deren Männer sie nicht unterstützen
  • usw.

Von einer sehr engagierten Helferin erfuhr ich, dass sie für einen schwimmbegeisterten weiblichen Teenager aus Afghanistan nach langer Suche eine reine Frauenschwimmstunde in einer benachbarten Stadt gefunden hat und sie nun dort regelmäßig hinfahren wird.

Das können natürlich nicht alle Ehrenamtlichen leisten. Nicht alles wird auch tatsächlich überall nötig sein und/oder von den Frauen angenommen werden. Und all das ist auch kein Ersatz für die oft nötige psychologische und Trauma-Hilfe.

Aber Hilfe speziell für die geflüchteten Frauen trägt dazu bei, dass auch sie Teilhabe erleben und von Ihrer Hilfe profitieren und sich integrieren können, und nicht nur die Männer und Kinder.

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