Spielend Deutsch lernen im Container

Die Zustände in Schwetzingen sind problematisch: etwa 350 Geflüchtete leben hier in Dreibett-Zimmern in Containern. Wasseranschluss, Küchen, Toiletten und Duschen befinden sich in separaten Containern – für viele gerade nachts ein Alptraum. In dieser Gemeinschaftsunterkunft kümmern sich seit eineinhalb Jahren gleich drei Projektgruppen des AK Asyl um die Menschen.

Die Projektgruppen teilen sich auf in Freizeit & Sport (gemeinsame Ausflüge, sportliche Aktivitäten, Kindergruppen etc.), Soziales & Leben (Kontaktaufnahme zu Neuankömmlingen, Hilfe bei der Alltagsbewältigung, bei Behördengängen und ärztlichen Terminen) und Kultur & Bildung (Hausaufgabenhilfe, Nachhilfe, Sprachförderung).

Für den Deutschunterricht gibt es z. B. einen prall gefüllten Stundenplan und 19 freiwillige Helfer_innen im Alter von 18 bis 70 Jahren, schreibt mir eine der Lehrer_innen. Der Stundenplan sieht vor:

  • 5 x pro Woche je 2 Std. für Fortgeschrittene
  • 3 x je 2 Std. für Anfänger_innen
  • 3 x je 2 Std. Alphabetisierung
  • 2 Computerkurse für Anfänger_innen
  • einen Konversationskurs
  • 1 x 2 Std. Anfängerkurs nur für Frauen.

Die Helfer_innen geben außerdem Nachhilfe im Containercamp, und zwei geflüchtete Frauen erhalten Einzelunterricht bei sich zu Hause. Die jungen Afghanen, die sie ganz zu Beginn unterrichtet haben, gehen inzwischen alle auf deutsche Schulen, und einige machen bereits ihren Schulabschluss.

Spielend Deutsch lernen

Während der kalten Jahrezeit gab es einen „Zusatzkurs“: jeden Samstag wurde vier Stunden lang „spielend Deutsch“ gelehrt und gelernt. Die Gruppen haben „Mensch ärgere dich nicht“ und andere Spiele gespielt, und dabei ausschließlich Deutsch gesprochen. Das hat den Beteiligten so viel Spaß gemacht, dass sie es im kommenden Winter wiederholen wollen. Wie viel Spaß das machen kann, ist auch in der Reportage zum Café International in Winsen/Luhe zu sehen.

Die Lehrerin des AK schreibt mir dazu noch:

„Viele unserer Schüler konnten an einem 100 Std. Kurs an der VHS teilnehmen (aber nicht alle), der für sie kostenlos durch das Landratsamt angeboten wurde. Weitere kostenlose Kurse stehen leider nicht zur Verfügung aber ich arbeite daran!“

Die Frage nach dem Unterrichtsraum

Dazu schreibt mir die Lehrerin:

„Wir haben es endlich erreicht, dass wir einen Raum im „Camp“ haben der nur für Unterricht genutzt wird (und ab und zu eine Besprechung), den wir mit neuen Möbeln schön einrichten konnten, und an den Wänden Landkarten usw. angebracht haben, und natürlich eine Tafel haben, Bücher zum Ausleihen; Lehrmaterial, und Computer/Drucker (erstanden entweder mit Direktspenden oder mit Spendengeldern gekauft).“

Wie viel die Arbeit der Ehrenamtlichen hier bewirkt hat, beschreibt auch der Artikel einer Besucherin des Camps im Morgenweb. Dort schreibt sie:

„Die Arbeit, die dort geleistet wird, unterscheidet Grundversorgung von Mitmenschlichkeit.“

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