Helfen in den Erstaufnahme-Einrichtungen

Immer wieder höre ich, dass Hilfswillige von Betreiberfirmen der Erstaufnahme-Einrichtungen weggeschickt werden, weil die Flüchtlinge ja nur kurz dort seien. Dabei ist es besonders wichtig, Flüchtlinge vom ersten Tag an zu begleiten – dies können die Betreiberfirmen jedoch gar nicht leisten.

Warum es – nicht nur für traumatisierte Flüchtlinge – besonders wichtig ist, vom ersten Tag an begleitet zu werden, habe ich in diesem Artikel bereits geschrieben. Wenn Sie helfen möchten, empfehle ich das dort verlinkte Video – es erklärt sehr gut, was in diesen ersten Tagen so wichtig für die Flüchtlinge ist.

Darüber hinaus fragen sich viele, was sie denn in Erstaufnahme-Einrichtungen tun können. Denn hier ist alles anders als an den Orten, an denen Geflüchtete dauerhaft untergebracht werden. Die Menschen sind auf sehr engem Raum untergebracht, haben keinerlei Privatsphäre, kaum Ruhe, aber andererseits auch nichts zu tun. Den ganzen Tag lang bleibt ihnen nichts anderes übrig als zu warten und zu hoffen, wie die Behörden über ihr Schicksal, ihre Zukunft entscheiden. Sie haben ihr eigenes Leben und dessen Ausgestaltung nicht mehr in der Hand. Sie leben ständig in der Ungewissheit, ob sie bleiben dürfen oder wieder weggeschickt werden.

Auch für Hilfswillige ist das keine leichte Situation, da sie sich hier nur auf eine vorübergehende Hilfe von wenigen Tagen bis wenigen Wochen oder Monaten einlassen können. Dennoch sind auch hier viele Arten der Hilfe möglich – hier nur ein paar Beispiele:

  • passende Kleider sammeln, sortieren und in der Ausgabe helfen
  • Feste organisieren
  • Tauschflohmärkte in der Einrichtung organisieren
  • Jamsessions mit Flüchtlingen, Konzerte geben/veranstalten
  • eine vielsprachige Bücherei in der Einrichtung organisieren
  • den Kindern verschiedene Spielmöglichkeiten anbieten (Bälle organisieren, Malzeug, Bastelzeug usw.)
  • mit von Kindern und Erwachsenen gemalten Bildern die Einrichtung verschönern
  • Musikinstrumente für Kinder sammeln (s. z. B. hier)
  • Sportgruppen bilden (Fußball, Yoga, Qi Gong usw.)
  • Spielesammlungen, Schach, Backgammon spenden (und z. B. über die Bücherei koordinieren)
  • Deutschunterricht (s. z. B. #Heimkino oder Kurzzeit-Schule)
  • Wörterbücher sammeln
  • Ärzt_innen ansprechen, die sich ehrenamtlich engagieren könnten (s. z. B. diesen Kinderarzt)
  • Internetzugang in die Einrichtung bringen (z. B. via Freifunk)
  • Spaziergänge, Kulturbesuche usw. organisieren
  • Stadtführungen machen (ja, auch wenn sie dort möglicherweise nicht bleiben – aber so kommen sie mal aus der Einrichtung heraus)
  • Dolmetscher_innen organisieren
  • den Sachspendenbedarf regelmäßig aktualisieren und veröffentlichen, als Google Doc, auf Facebook o. Ä.
  • Öffentlichkeitsarbeit machen (z. B. durch die Organisation von Ausstellungen)
  • Willkommensbeutel organisieren, zusammenstellen und aushändigen

Sie finden viele weitere Beispiele zu all dem, wenn Sie z. B. auch über die Suchfunktion oder die Kategorien und Schlagworte in der rechten Spalte suchen.

Und wenn Sie dann das nächste Mal von der Betreiberfirma einer Erstaufnahme-Einrichtung abgelehnt werden, lassen Sie sich nicht abwimmeln – Sie können dort schon sehr, sehr viel für die Flüchtlinge und ihr Wohlergehen bewegen! Erst recht, wenn Sie die Behörden, Ihre Bürgermeister_innen, Ihre lokalen Politiker_innen und Ihre Lokalzeitung mit ins Boot holen.

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