Das Wichtigste ist die persönliche Begegnung

20 Jahre Erfahrung mit Flüchtlingshilfe haben Wolfgang Steen eins gelehrt: „Das wichtigste ist die persönliche Begegnung.“ Steen war Gastredner bei einem Infoabend der Grünen zum Thema Flüchtlinge in Lilienthal bei Bremen. Der frühere Sozialarbeiter leitet das Nestwerk, einen Verein, der sich seit zwei Jahrzehnten u. a. für die Flüchtlinge in Hagen im Bremischen einsetzt. Dort werden u. a. Deutschkurse gegeben und Kunstkurse für Flüchtlingskinder, es gibt eine Fahrradwerkstatt, in der Rentner gespendete Fahrräder für Flüchtlinge kostenlos herrichten, und die 25 festen, ehrenamtlichen Helfer_innen begleiten die Flüchtlinge auch bei Bedarf zu den Ämtern, zu Arztbesuchen oder zur Kleiderkammer.

In Hagen gibt es v. a. junge, männliche Flüchtlinge aus Eritrea und Somalia, nur wenige Familien. Die derzeit etwa 65 Personen sind nicht in Lagern untergebracht, sondern dezentral. Dies wiederum habe viel Hilfsbereitschaft erwirkt – einige der Flüchtlinge lebten bspw. in einem zehn Kilometer entfernten Dorf und könnten im Winter nicht mit dem Rad zum Einkaufen fahren (s. a. Flüchtlinge in den Alltag einbeziehen); Busse fahren zu selten, und deshalb hätten sich einige Renter erboten, sie mit dem Auto zu fahren.

Sie sind jetzt hier, und sie brauchen jetzt Hilfe

Die Helfer_innen unterstützen außerdem bei der Suche nach Möbeln, und auch da sei die Bereitschaft in der Bevölkerung, zu spenden, sehr groß. Nestwerk habe schon zwei Garagen für Möbelspenden angemietet, die zu schade für den Sperrmüll waren. Mittlerweile hätten sie aber so viel beisammen, dass sie sogar Spenden ablehnen müssten.

Wichtig, so Steen, sei auch, dass man den Mut habe, Fehler zu machen. Es gäbe zwar schwierige Situationen, wenn die Menschen, um die man sich so sehr gekümmert habe, plötzlich abgeschoben würden, oder wenn man das Gefühl habe, die Politik wolle die Flüchtlinge ja gar nicht hier im Land haben. Doch er sagte auch, es sei wichtig, nicht lange zu zaudern, ob man z. B. wirklich in der Lage sei, einen vernünftigen Deutschkurs oder andere Hilfe zu bieten, denn die Flüchtlinge seien jetzt hier und bräuchten jetzt Hilfe.

Sie kämen in ein ganz fremdes Land, dessen Sprache sie nicht verstünden, und in dem nichts so liefe wie in ihrer Heimat. Sie seien allein, hätten alles verloren, teils schwer traumatisiert. Und hier seien sie auf sich allein gestellt – sie wüssten nicht, welche Behörde für was zuständig sei, sie wüssten nicht, wie eine Waschmaschine funktioniert oder wie das mit dem Busfahren geht. Und in den Kommunen gebe es i. d. R. zu wenig Personal, das ihnen helfen könnte, sich in der ersten Zeit leichter zurechtzufinden. Eine persönliche Begegnung, persönliche Ansprechpartner_innen und die ganz normale menschliche Zuwendung seien da enorm wichtig und hilfreich.

In Lilienthal wird derzeit eine Ökumenische Flüchtlingsinitiative gegründet. Und die Lilienthaler Grünen beriefen für Januar 2014 einen öffentlichen Runden Tisch ein, um neben der Initiative auch alle anderen interessierten Helfer_innen und alle verfügbaren Möglichkeiten zu bündeln und sich über Lücken im Hilfssystem zu informieren. Wolfgang Steen betonte in diesem Zusammenhang noch, wie wichtig es sei, dass die Initiativen als Netzwerk zusammenarbeiten, und nicht jede ihr eigenes Süppchen koche.

Weitere Infos zu Steens Bericht gibt es auf der Website der Grünen.

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