Integrationskurse speziell für Frauen

Im Frühjahr 2015 stellte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ein neues Konzept für einen Integrationskurs vor, der sich ausschließlich an Frauen richtet, die aus unterschiedlichen Gründen oft an den normalen Kursen nicht teilnehmen können.

Die Teilnahme an Integrationskursen ist für Flüchtlinge, die dauerhaft in Deutschland leben möchten und dürfen, u. a. dann vorgeschrieben, wenn sie sich noch nicht ausreichend auf Deutsch verständigen können (s. a. hier).

Abgesehen davon, dass in der Vergangenheit manche Integrationskurse über lange Zeiträume nicht zustande gekommen sind (z. B. weil sie über die VHS liefen und nicht genügend Teilnehmer_innen angemeldet waren), ist es für viele Frauen gar nicht so einfach, grundsätzlich an einem solchen Kurs teilzunehmen.

Die Gründe für ihre Nicht-Teilnahme sind sehr verschieden. In manchen Kulturen wird Frauen und Mädchen der Zugang zu Bildung und Teilhabe traditionell verwehrt, und das ändert sich nicht automatisch durch Ankunft in Deutschland. Sehr viele Frauen sind als einzige für die Betreuung der Kinder, die Ernährung, die Kleidung, den Haushalt etc. zuständig – da ist es ihnen oft schon aus zeitlichen Gründen unmöglich, den Kurstermin einzuhalten. Manche Frauen haben nur wenige oder gar keine sozialen Kontakte, und manche erhalten keinen Zugriff auf die familiären Finanzen, um das Kursgeld oder die Fahrkarte für den Integrationskurs zu bezahlen.

Um dafür zu sorgen, dass diese Frauen dennoch auf jeden Fall die Möglichkeit bekommen, sich hier in Deutschland nach ihren Vorstellungen entfalten zu können, hat nun das BAMF ein neues Konzept für einen reinen Frauenkurs entwickelt. Es steht hier zum Download bereit.

Reine Frauenkurse haben für viele geflüchtete Frauen den Vorteil, dass sie in entspannter, angstfreier Umgebung lernen können, und dass sie auf diese Weise ihre ersten Kontakte zu anderen Frauen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen knüpfen können. Sie sind für die Unterrichtszeit von ihren Verpflichtungen für die Kinder befreit und lernen in einer unterstützenden Umgebung nicht nur die Sprache, sondern auch welche Rechte und Freiheiten sie als Frauen hier in Deutschland haben.

Dieser Kurs kann in Teilzeit gegeben werden und sollte von einer Frau geleitet werden. Wenn nötig, soll für eine Kinderbetreuung während der Unterrichtszeit gesorgt werden.

Das Ziel ist das Sprachniveau B1, sodass die Frauen nicht nur genügend Kenntnisse für einen Austausch in ihrem nachbarschaftlichen Umfeld, sondern auch an einem Arbeitsplatz haben.

Integrationskurse speziell für Frauen gibt es bereits an einigen Orten, z. B. im Kreis Bergstraße, in München, Hamburg, Bremerhaven, Konstanz, Düsseldorf oder auch Berlin – dies sind aber längst nicht alle Angebote. Wenn es bei Ihnen vor Ort noch keine speziellen Kurse für Frauen gibt, können Sie bei den zuständigen Behörden hoffentlich ein solches Angebot anregen und schaffen.

(s. a. „Vergessen Sie die Frauen nicht – Wie Sie speziell den geflüchteten Frauen helfen können“)

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