Hilfe für Flüchtlinge auf dem Dorf

In ländlichen Gegenden werden Flüchtlinge manchmal dezentral untergebracht, so z. B. im niedersächsischen Dorf Rechtenfleth. Sieben junge Männer aus Eritrea sind hier untergebracht, weit ab von Behörden, medizinischer Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten. Wie kann man ihnen helfen?

Ein Zusammenschluss mehrerer Dorfbewohner_innen zu einer Initiative war die Lösung. Das Sonntagsjournal schreibt:

„Die Jungs sind so klasse, die Leute streiten sich hier regelrecht darum, wer mit ihnen beispielsweise einkaufen fahren darf“, sagt Initiativenmitglied Paul Bremer.

Den Flüchtlingen wurden zwar Fahrräder gespendet, doch ist die über 10 Kilometer lange Fahrt in den nächstgelegenen Ort im Winter nicht zumutbar. Deshalb fahren Mitglieder der Initiative die jungen Männer in den nächstgelegenen Ort, um Lebensmittel einzukaufen und Bankgeschäfte zu erledigen.

Darüber hinaus, so das Sonntagsjournal weiter, haben sie bereits eine gemeinsame Fahrradtour auf die andere Weserseite gemacht, und eine Busfahrt in die nächstgelegene Stadt Bremerhaven sei geplant. Aber auch der tägliche Umgang miteinander sei wichtig.

„Ich komme öfter mal vorbei, dann trinken wir gemeinsam einen Tee“, berichtet Michael Hillje. […]

Abgesehen von der Initiative stehe die gesamte Ortschaft hinter den neuen Bewohnern, betont Ortsvorsteher Köhler. „Hier ziehen alle an einem Strang“, sagt er. „Viele Bürger stehen in den Startlöchern und wollen helfen.“

Und Hilfe kommt: die Dorfgaststätte hat zu Weihnachten ein Essen spendiert, jemand aus dem Nachbardorf gibt den Männern Deutschunterricht, und eine Dame aus einem anderen Dorf habe ein Wörterbuch Deutsch/Eritreisch erstellen lassen.

Die Initiative kritisiert, dass selbst die Behördenschreiben immer nur auf Deutsch seien (wobei Menschen, deren Aufenthaltsstatus noch nicht festgelegt wurde, noch kein Anrecht auf Deutschunterricht haben – nicht, dass ihnen der helfen würde, deutsche Behördenformulare zu verstehen …). Deshalb schlagen die Rechtenflether_innen vor, dass Behörden zumindest eine Kopie auf Englisch beilegen sollten.

Nachtrag (04.07.2016): Die TV-Sendung „buten un binnen“ hat gerade über die Initiative berichtet.

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