Erst hilft man Flüchtlingen, dann werden sie abgeschoben – und dann?

Immer wieder kommt es vor, dass Ehrenamtliche Geflüchteten helfen und diese trotz guter Integration bei Nacht und Nebel abgeschoben werden. Die Ehrenamtlichen fühlen sich oft hilflos und wissen nicht, wie mit dieser Situation umgehen. Zwei Filme zeigen Menschen, die „ihre“ Flüchtlinge auch nach der Abschiebung nicht völlig allein gelassen haben.

Viele Helfer_innen haben durch ihr Engagement eine persönliche Beziehung, eine Freundschaft, manchmal sogar eine familiäre Beziehung zu den Geflüchteten aufgebaut. Deshalb kann eine Abschiebung auch für sie ein traumatisches Erlebnis sein. Hier zwei Beispiele, wie Helfer_innen damit umgegangen sind: sie haben den Kontakt zu den Abgeschobenen aufrecht erhalten und sie besucht, um herauszufinden, wie es ihnen geht.

Musa, ein junger Mann aus Gambia, wurde aus Lörrach nach Mailand abgeschoben. Die Badische Zeitung berichtete darüber, und Musas Freunde von der Gruppe Refugees Welcome Lörrach blieben mit ihm in Kontakt. Und dann sind sie nach Mailand gefahren, um zu sehen, wie es ihrem Freund geht, wie er dort lebt, wie er zurechtkommt.

Damit nicht nur seine deutschen Freunde, sondern auch alle, die sich dafür interessieren, sehen können, wie die Zustände in Mailand sind, wie es einem Abgeschobenen dort ergeht, haben sie ihren Besuch gefilmt und auf Youtube hochgeladen: „Das Leben nach der Abschiebung – Musa Sankareh in Mailand“.

Denn Musa, der in Deutschland bereits Deutsch lernte und hier bleiben wollte, muss in Mailand auf der Straße leben. Denn in Italien gibt es kein funktionierendes soziales Netz, das allen Flüchtlingen eine menschenwürdige Unterkunft und Behandlung entsprechend der Genfer Flüchtlingskonvention bietet.

Der Ton ist leider manchmal sehr schlecht zu verstehen, doch wird deutlich, dass Musa noch nicht aufgegeben hat. Er wird erneut versuchen, in Deutschland Fuß zu fassen. Und wenn seine Freunde aus Lörrach wieder Kontakt zu ihm haben, werden sie, ist zumindest anzunehmen, ihn dabei wieder unterstützen.

Ein anderes Beispiel ist das aus einer typisch deutschen Wohnsiedlung. Alles ist sauber und ordentlich, die kleinen Nickeligkeiten innerhalb der Nachbarschaft gehören zum akzeptierten Alltag. Und dann platzen da plötzlich Flüchtlingsfamilien ins Vorstadtidyll und machen alles anders, ob sie Wäsche auf dem Balkon trocknen oder den Müll nicht weit genug nach hinten in die Mülltonne werfen.

Das in der NDR-Reportage „Hilfe, die Roma sind weg“ porträtierte Ehepaar Hermes war, wie so viele Deutsche, am Anfang alles andere als angetan, als eine sechsköpfige Roma-Familie im Stockwerk über ihnen untergebracht wurde. Doch dann, ein Wunder, kam sich die Familie bei ihnen vorstellen. Und war immer bereit, auf Bitten von unten entsprechende Rücksicht zu nehmen.

Es entwickelte sich eine innige Beziehung zu den Flüchtlingen vom Balkan, die Hermes‘ halfen den Roma, wo sie konnten. Doch dann wurden diese über Nacht abgeschoben. Ein Schock auch für die Hermes‘. Sie hielten den Kontakt, halfen auch nach der Abschiebung noch durch zahlreiche Sachspenden und sind schließlich nach Serbien geflogen, um die liebgewonnene Familie endlich wiederzusehen. Die Reportage zeigt, was sie dabei erlebten.

Sollten Sie wegen Ihres Engagements oder einer Abschiebung Schwierigkeiten oder Sorgen haben, behalten Sie das nicht für sich, sprechen Sie mit anderen darüber. In vielen Städten und Gemeinden gibt es Einrichtungen, die Ehrenamtlichen auch seelsorgerisch zur Seite stehen (z. B. die Kirchen, Caritas oder Diakonie).

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